Verspäteter Sprechbeginn/frühe Spracherwerbsstörung

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Ein verspäteter Sprechbeginn oder eine frühe Spracherwerbsstörung liegt vor, wenn ein Kind im Alter von 2 Jahren über einen Wortschatz von weniger als 50 Worten verfügt und noch nicht beginnt 2 Worte miteinander zu kombinieren wie z.B. „Mama Tee“. Meist verwenden diese Kinder über längere Zeit einige wenige Worte, oft auch Lautmalereien oder auch ganz eigene Worte, die nur von den engsten Bezugspersonen verstanden werden. Ihre Absichten, Wünsche und Bedürfnisse teilen sie den Anderen durch Mimik und Gestik mit.

Nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung zum kindlichen Spracherwerb besteht bei diesen Kindern ein hohes Risiko zur Ausbildung einer Sprachentwicklungsstörung. Man bezeichent diese Kinder als „Late Talker“.
Häufig sind die Eltern besorgt über die verzögerte Sprachentwicklung und sind unsicher, wie sie ihr Kind in seiner Sprachentwicklung am besten unterstützen können. Vergleiche mit Gleichaltrigen und wiederholtes Nachfragen von Großeltern, Bekannten und Verwandten führen häufig dazu, dass sich Eltern und Kinder unter Druck gesetzt fühlen. Dadurch entstehen Frustrationen auf beiden Seiten.

Eine logopädische Abklärung bei diesen jungen Kindern hat das Ziel, mögliche Risikofaktoren im sprachlichen Entwicklungsverlauf zu identifizieren. Im Anschluss daran kann entschieden werden, ob das Kind einfach noch mehr Zeit braucht, sich sprachlich zu entwickeln oder ob eine gezielte sprachtherapeutische Frühintervention erforderlich ist.

Abklärung von Late Talkern

Die Abklärung besteht aus mehreren Komponenten.

  • Anamnesegespräch:
    In einem ausführlichen, persönlichen Gespräch mit Ihnen geht es um die allgemeine Entwicklung ihres Kindes, um Erkrankungen, Vorlieben Gewohnheiten, sein Verhalten und die sprachliche Kommunikation.
    Erfassung sprachlicher Kompetenzen:
    Die Überprüfung von Sprachverständnis und Wortschatz erfolgt durch standardisierte Testverfahren und einen Elternfragebogen.
  • Beobachtung des Freispiels:
    Im freien Spiel mit Ihrem Kind geht es um den Umgang mit den Gegenständen. Da die Symbolisierungsfähigkeit eine wichtige Vorausläuferfähigkeit für den Spracherwerb darstellt, beobachte ich, ob das Kind in der Lage ist, alltägliche Handlungen mit den Gegenständen auszuführen, ob es schon das Resultat seiner Handlungen beachten kann und ob es fähig ist, symbolische Handlungen auszuführen. Wie nimmt das Kind Kontakt zu mir auf, wie reagiert es auf meine Kontaktangebote, versteht es Aufforderungen und zeigt es während dem Spiel einen Blickkontakt mit mir sind weitere wichtige Punkte.
  • Beobachtung beim Bilderbuch anschauen:
    Das Anschauen von Bilderbüchern eignet sich hervorragend dazu, die Sprachentwicklung des Kindes zu fördern. Bei Kindern mit einem verspäteten Sprechbeginn gestaltet sich dies allerdings häufig problematisch. Bei der Überprüfung geht es darum herauszufinden, wie sie die Situation am besten gestalten und welche Sprachlehrstrategien sie bei ihrem Kind besonders effektiv zur Förderung einsetzen können.

Eine logopädische Abklärung dauert in der Regel 60-90 Minuten. Ein ausführliches Beratungsgespräch wird meist in einem zusätzlichen Termin durchgeführt. Die Abklärung kann auf der Grundlage einer ärztlichen Verordnung als Kassenleistung oder als private Leistung auf Rechnung durchgeführt werden.